Wohnraum der anderen Art: Ein Artenschutzturm in Bettenfeld
Mitten in Bettenfeld, einem Gemeindeteil von Rothenburg ob der Tauber, steht eine alte Transformatorenstation – ein schlammgraues Zeugnis der 70er Jahre. Doch der Turm wird für die Stromversorgung im Ort nicht mehr genutzt. Was macht man mit einem solchen Gebäude? Abreißen? Oder einen neuen Nutzen finden? In Bettenfeld wurde sich für letzteres entschieden. Die Stadt Rothenburg hat das ehemalige Trafohaus gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) am Landratsamt Ansbach zu einem Artenschutzturm umfunktioniert. Unterstützt wurden sie dabei von der N-ERGIE Netz GmbH und der Kreisgruppe Ansbach des Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV).
Inzwischen ist das alte Gebäude kaum wiederzuerkennen: Der Großteil der Fassade wurde mit Holz – mit einer Stülpschalung – verkleidet und die verbleibende schlammgraue Farbe soll noch übermalt werden. In den Wänden fallen zudem mehrere Löcher auf – Einflugsöffnungen. Da der Turm unweit des Naturschutzgebiets Schandtauberhöhle liegt, hofft die UNB, dass vor allem Fledermäuse den Turm als Sommerquartier und Wochenbett nutzen werden. Für die fliegenden Säugetiere wurden daher zahlreiche Wohnmöglichkeiten geschaffen: Tagsüber können sich die Tiere beispielsweise in der Stülpschalung zurückziehen. Zudem gelangen sie über die Einflugsöffnungen sowie über den Lüftungsziegel am Dach auch ins Turminnere. Und mit der Schandtauber liegt sogar ein geeignetes Jagdrevier direkt vor der Haustür.
Darüber hinaus bietet der Turm auch Wohnraum für die Vogelwelt. Es wurden sechs Nisthilfen für Spatzen, drei Starenkästen und zwölf Nisthilfen für höhlenbrütende Vogelarten sowie vier Schwalbennester angebracht. Weitere Mitbewohner des Trafohauses könnten Hornissen werden: Dank eines Hornissenkastens haben sie ebenso Möglichkeiten zum Nestbau. „Es ist eine besondere Form von Nachverdichtung“, sagte Christoph Rösch, Oberbürgermeister von Rothenburg, bei der Besichtigung des fertiggestellten Projekts. „Hier wurde Lebensraum geschaffen, der diesmal nicht für Menschen ist.“
Die Ausbauarbeiten finanzierte die UNB als Ersatzgeldprojekt mit 23.000 Euro. Ersatzgelder sind zweckgebundene Zahlungen für unvermeidbare Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft, wie etwa der Bau von Windkrafträdern. Dieses Geld muss für Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege eingesetzt werden – in diesem Fall für den Artenschutzturm. Zusätzlich beteiligte sich die N-ERGIE Netz GmbH finanziell. Für fortlaufende Kosten und den Erhalt des Turmes ist die Stadt Rothenburg als dessen Eigentümer verantwortlich. Zudem hat sie eine Infotafel für den Artenschutzturm gestaltet und angebracht. Der LBV hat bei den Umbauarbeiten fachlich unterstützt und zu den Nistmöglichkeiten informiert.
Wie gut der Turm von der Tierwelt tatsächlich angenommen wird, wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen. Doch Manuel Zahn von der UNB verzeichnete bei der Besichtigung schon erste kleine Erfolge: Er hat im Turm Fledermauskot sowie mehrere Vogelnester gefunden. Er ist sich sicher, dass hier „ganz viele Arten auf ihre Kosten kommen werden“. Stefanie Schwarz von der UNB erklärte, dass es das Ziel sei, „mit ein paar Beispielen einen Impuls zu setzen“. Und dafür brauche es „Kreativität und den Willen zum Ausprobieren“.
Im Landkreis Ansbach gibt es derzeit vier weitere Artenschutztürme – in Herrieden, Leutershausen, Burk und in Ellwingshofen (Gemeinde Steinsfeld). Zusätzlich werden die Ersatzgeldprojekte „Bessere Weiden für mehr Vielfalt“, „Zukunft.Streuobst“, „LebensRäume Röckingen“ sowie Fledermauskeller von der UNB umgesetzt.