Wiesenbrüter im Altmühltal erfordern Rücksicht
Die Wiesenbrüter-Brutsaison 2026 ist in vollem Gang. Kiebitze und Brachvögel sind im Altmühltal wieder zu hören und zu sehen. Eine Besonderheit, denn in ganz Bayern kommen sie kaum mehr vor. Auch die Uferschnepfe, die letztes Jahr nur noch mit 14 Paaren in Bayern vertreten war, ist zurück. Doch der Schein trügt. Es sind zu wenige und nur wenige Küken werden flügge. Das Naturschutzprojekt „chance.natur – Lebensraum Mittelfränkisches Altmühltal“ und die Gebietsbetreuung des Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern bitten deshalb die Bevölkerung mitzuhelfen und Rücksicht zu nehmen.
Das Altmühltal ist eines der bedeutendsten Wiesenbrütergebiete Süddeutschlands. Alle neun Wiesenbrüterarten kommen vor, sieben davon sind in Bayern vom Aussterben bedroht. Brachvögel, Uferschnepfen, Kiebitz und andere haben auch im Altmühltal trotz vieler Schutzbemühungen dramatisch abgenommen. Das Naturschutzprojekt setzt sich für den Erhalt dieser und anderer seltener Arten ein. So wurde begonnen, Wiesenmulden von Schilf zu befreien, zu erweitern oder neu anzulegen, um Wasser länger im Gelände zu halten. Ein weiteres Anliegen ist, mehr Flächen zu beweiden. Weideflächen sorgen für mehr Struktur, Nahrung und Schutz, was vor allem Kiebitzen zugutekommt. Das Projekt sucht deshalb Bewirtschafter, die sich eine Beweidung vorstellen oder Flächen bereitstellen könnten.
Zum Schutz der Brutplätze und Küken wurden auch 2026 wieder Elektrozäune mit insgesamt über 5.000 Meter Länge aufgestellt, die unmittelbaren Schutz unter anderem vor Fuchs und Mader bieten. Zurzeit sind verstärkt Wiesenbrüterberater, Gebietsbetreuer und andere unterwegs, um Nester ausfindig zu machen und Gelegeschutzzäune zu betreuen. Besonders in der Brutzeit, von März bis Juli, reagieren Wiesenbrüter empfindlich auf Menschen, auf laute Geräusche und auf freilaufende Hunde. Bei Störungen fliegen Altvögel auf. Gelege und Küken sind dann ungeschützt und können Krähen, Elstern oder anderen zum Opfer fallen. Halten Störungen an, besteht die Gefahr der Auskühlung der Gelege und Aufgabe der Bruten.
Wiesenbrüter brauchen zur Brutzeit Ruhe! Spaziergänger, Hundehalter, Fahrradfahrer, Angler und andere Erholungssuchende werden gebeten, die unmittelbaren Brutgebiete zwischen März und Juli zu meiden. „Wenn vor Ihnen ein Kiebitz oder Brachvogel auffliegt, kehren Sie bitte um und genießen mit gebührendem Abstand das Schauspiel. Bleiben Sie auf den Wegen, verhalten Sie sich ruhig und nehmen Sie Hunde bitte an die Leine“, appelliert Projektleiter Dietmar Herold. Damit kann jeder einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung dieser seltenen Vögel leisten und auch Rehen, Feldhasen oder Rebhühnern die notwendigen Ruhezonen verschaffen.