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Unsere Nahversorger von morgen: mutig, regional, unverzichtbar

Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, wo ihre Lebensmittel herkommen, wer sie erzeugt und wie sie verarbeitet werden. Gleichzeitig entstehen auch in der Region Mittelfranken innovative Ideen rund um Landwirtschaft, Lebensmittelhandwerk und Direktvermarktung. Wie die Zukunft der regionalen Nahversorgung bereits heute aktiv gestaltet wird, zeigte das Grüne-Couch-Gespräch „Unsere Nahversorger von morgen: mutig, regional, unverzichtbar“ im KulturKino Feuchtwangen. 

Rund 160 interessierte Gäste besuchten die Veranstaltung im damit voll besetzten KulturKino Feuchtwangen, zu der die Interessengemeinschaft IG Regionalbewegung Mittelfranken gemeinsam mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ansbach (AELF) sowie dem Regionalmanagement des Landkreises Ansbach eingeladen hatte. Die Grüne Couch ist ein im Landkreis Ansbach bereits bekanntes Dialogformat mit dem Fokus auf gesellschaftsrelevanten Themen aus den Bereichen Land, - Forst- und Hauswirtschaft/Ernährung, das auf Initiative des AELF und des Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung in Bayern (VLF) entstanden ist. Die Veranstaltung wurde vom Bezirk Mittelfranken gefördert.

Im Mittelpunkt des Abends stand das Bewusstsein, dass Nahversorgung weit mehr bedeutet, als einen Einkaufsort vor der Haustür zu haben. „Regionale Nahversorgung entsteht dort, wo landwirtschaftliche Betriebe, Verarbeiter, Handwerksunternehmen und Direktvermarkter gemeinsam funktionierende Wertschöpfungsketten aufbauen und erhalten. Sie schafft Identifikation mit der Region, stärkt die heimische Wirtschaft und trägt zu lebendigen ländlichen Räumen bei“, betonte Nicole Nefzger, Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Regionalbewegung. „Sie lebt von den Menschen, die regionale Wertschöpfung mit Ideen, Leidenschaft und unternehmerischem Mut gestalten.“

Passend zum von den Vereinten Nationen ausgerufenen Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft sprachen auf der Grünen Couch vier junge regionale Akteurinnen aus der Land- und Ernährungswirtschaft, die genau für diese Leidenschaft und den unternehmerischen Mut stehen. Kristin Güllich von der Metzgerei Albrecht, Elena Scheuerpflug von der Gotzendorfer Ölmühle, Michaela Uysmüller vom Milchviehhof Uysmüller und Ronja Hirsch von „Hirsch's Allerhand vom Land“ erzählten von ihren Höfen, ihren Familienbetrieben, berichteten aus ihrem Berufsalltag und über ihre Erfahrungen und Zukunftsideen. Dabei wurde deutlich, wie vielfältig regionale Lebensmittelversorgung heute ist und wie viel Innovationskraft in den Betrieben steckt und stecken muss.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt zugleich die Bedeutung des Themas: In Deutschland ist bereits knapp die Hälfte der Betriebsleiterinnen und -leiter landwirtschaftlicher Einzelunternehmen über 55 Jahre alt. Bei 63 Prozent dieser Betriebe war die Hofnachfolge zudem ungeklärt. Zwölf Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis Ansbach werden von Frauen geleitet, in Bayern rund neun Prozent. Gleichzeitig wächst in vielen Ausbildungs- und Studiengängen der Anteil junger Frauen, die sich bewusst für einen Berufsweg in der Landwirtschaft entscheiden.

Im Gespräch wurde deutlich, dass erfolgreiche Betriebe heute oft neue Wege gehen. Ob kreative Vermarktungskonzepte wie ein Selbsterntefeld, Direktvermarktung als zusätzlicher Vertriebsweg, innovative Produktentwicklung und Kooperationen sowie Bildungsangebote oder die Kommunikation über soziale Medien: Gerade Unternehmerinnen stehen hinter diesen neuen Wegen, die zeigen, wie regionale Produkte sichtbar gemacht und Verbraucherinnen und Verbraucher für die Geschichten hinter den Lebensmitteln begeistert werden können.

„Unsere vier Protagonistinnen stehen beispielhaft für eine Generation, die Landwirtschaft und Lebensmittelhandwerk mit frischen Ideen und viel Herzblut weiterentwickelt“, sagte Susanne Feicht vom AELF. „Sie zeigen, welches Potenzial in unseren ländlichen Räumen steckt und wie regionale Nahversorgung erfolgreich gestaltet werden kann, wenn sie der Verbraucher auch annimmt.“

Das Fazit des Abends: Eine starke regionale Nahversorgung entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, neue Ideen entwickeln und regionale Wertschöpfung aktiv gestalten. Die Zukunft der Nahversorgung mit Lebensmitteln im ländlichen Raum hängt nicht allein von Strukturen ab, sondern vor allem von den Menschen, die diese Strukturen mit Leben füllen. Aber: Es braucht entsprechende Rahmenbedingungen, dass diese mutigen Menschen die Verantwortung auch weiterhin gern und leidenschaftlich übernehmen können und möchten.

Stimmen der vier Protagonistinnen:

Elena Scheuerpflug (Gotzendorfer Ölmühle, Lichtenau):
„Als ich meinen Traumberuf Floristin aufgeben musste, dachte ich zunächst, dass mir Büroarbeit gar nicht liegt. Heute bin ich dankbar, dass mir die vielen Erfahrungen, die ich dort sammle, bei der Direktvermarktung unserer Ölmühle helfen – von Organisation und Betriebswirtschaft bis hin zu Kundenkontakt und Marketing. Gemeinsam mit meiner Familie kann ich dieses Wissen in unseren Betrieb einbringen. Gerade die Kombination aus Landwirtschaft, Direktvermarktung und den vielen unterschiedlichen Aufgaben macht die Arbeit für mich so abwechslungsreich und spannend. Und dass ich dabei auch mit meinen Händen arbeiten und etwas schaffen kann, macht mir besonders viel Freude.“

Ronja Hirsch; Hirsch’s Allerhand vom Land, Feuchtwangen:
„Ich liebe die Arbeit mit unseren Tieren und sehe in der Direktvermarktung viel Potenzial und Zukunft. Ich freue mich jedes Mal, wenn Menschen auf unseren Hof kommen und ich direkten Kontakt zu unseren Kundinnen und Kunden habe. Man weiß dann einfach, wofür man das alles macht.“

Michaela Uysmüller, Milchviehhof Uysmüller, Feuchtwangen:
„Wir wollen zeigen, wie Landwirtschaft heute aussieht. Wenn Menschen erleben, wie Lebensmittel entstehen, wächst auch die Wertschätzung für regionale Produkte. Genau darin liegt für uns eine große Chance für die Zukunft.“

Kristin Güllich, Metzgerei Albrecht, Rügland:
„Handwerk und Landwirtschaft haben dann Zukunft, wenn Menschen den Mut haben, ihre eigenen kreativen Ideen umzusetzen, auch wenn sie nicht geradlinig sind. Wir kleinstrukturierten Landwirtschafts- und Handwerksbetriebe sind es gewohnt, jeden Tag lösungsorientiert zu arbeiten. Wir sind nicht nur Nahversorger, sondern auch wichtige regionale Arbeitgeber und übernehmen damit auch sozial eine große Verantwortung. Dass man uns dann jedoch oft gleichbehandelt mit industriellen Großbetrieben, macht uns unsere Arbeit unnötig schwer.“

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