Masterarbeit untersucht regionale Verkaufsstellen – Regionalmanagement Landkreis Ansbach begleitete die Forschungsarbeit
Die wohnortnahe Versorgung mit Lebensmitteln steht gerade im ländlichen Raum vor großen Herausforderungen. Bäckereien, Metzgereien und kleinere Lebensmittelgeschäfte, die traditionell wichtige Aufgaben für die tägliche Versorgung übernehmen, sind vielerorts rückläufig. Wege zu Einkaufsmöglichkeiten werden dadurch länger; eine fußläufig erreichbare Versorgung ist in vielen Ortsteilen nicht mehr selbstverständlich. Gleichzeitig hängt der Zugang zu Lebensmitteln zunehmend davon ab, ob ein eigener Pkw zur Verfügung steht.
Mit diesen Entwicklungen hat sich Nina Stangl aus dem Landkreis Ansbach in ihrer Masterarbeit „Nahversorgung und Direktvermarktung“ an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg befasst. Die Arbeit wurde durch das Regionalmanagement Landkreis Ansbach begleitet und untersucht, welche Rolle Direktvermarktung für die Nahversorgung im Landkreis Ansbach übernehmen kann.
Die Masterstudentin schreibt von einer „ausgeprägten Spannweite“ zwischen den Kommunen im Untersuchungsraum: Im Landkreis Ansbach leben 187.487 Menschen bei einer Bevölkerungsdichte von 94 Einwohnern je Quadratkilometer. Sieben Gemeinden haben weniger als 1.000 Einwohner, während die Städte Rothenburg ob der Tauber, Dinkelsbühl und Feuchtwangen jeweils über 11.000 Einwohner zählen. Diese Unterschiede machen deutlich, dass Versorgungssituationen innerhalb der Region sehr unterschiedlich sein können.
Für die Untersuchung wurden dauerhaft bestehende und stationäre Verkaufsstellen erfasst. Nina Stangl kombinierte dabei eine umfassende Datenerhebung, eine digitale Kartenanalyse sowie Experteninterviews. Ein standardisierter Fragebogen wurde gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung am Landratsamt Ansbach entwickelt und nach einem Pretest im Frühjahr 2026 an Direktvermarkter versandt. Im Untersuchungsgebiet wurden insgesamt 237 Direktvermarktungs-Verkaufsstellen erfasst. Für 164 Verkaufsstellen lag ein ausgefüllter Fragebogen vor. Die Ergebnisse zeigen eine große Vielfalt der Verkaufsformen: 39,2 Prozent der Standorte sind Hofläden. 12,2 Prozent werden über Verkaufsautomaten betrieben, 21,1 Prozent als Selbstbedienungsformate. Weitere 19,8 Prozent ermöglichen den Verkauf ohne Laden, beispielsweise über Abholung am Hof. 6,3 Prozent kombinieren mehrere Verkaufsformen an einem Standort. Auch die zeitliche Zugänglichkeit unterscheidet sich deutlich. 41 Prozent Verkaufsstellen haben feste Öffnungszeiten, 28 Prozent sind rund um die Uhr erreichbar und 24 Prozent können nach vorheriger Vereinbarung aufgesucht werden. Damit gewinnen insbesondere Automaten und Selbstbedienungsangebote an Bedeutung: Sie ermöglichen Einkäufe unabhängig von klassischen Ladenöffnungszeiten und können spontane Besorgungen erleichtern.
Das Sortiment der Direktvermarktung ist breit, zugleich aber häufig spezialisiert. Besonders oft angeboten werden Aufstriche, Honig und Honigprodukte, Fleisch und Fleischerzeugnisse, Eier sowie Getreide- und Getreideerzeugnisse. Im Mittel bieten die Verkaufsstellen 3,7 Produktgruppen an. Rund 30 Prozent der Standorte führen lediglich eine Produktgruppe. Direktvermarktung kann deshalb den klassischen Lebensmitteleinzelhandel meist nicht vollständig ersetzen, ihn aber sinnvoll ergänzen, etwa durch regionale, frische und nachvollziehbar erzeugte Produkte.
Die Untersuchung unterstreicht außerdem die Bedeutung kurzer Lebensmittelketten und regionaler Kooperationen. Direktvermarkter bündeln zunehmend Erzeugnisse verschiedener Betriebe, erweitern ihr Angebot um Backwaren, Wurstwaren oder Fertiggerichte und nutzen digitale Kommunikationswege wie Websites und soziale Medien. Neben Beschilderungen vor Ort, Flyern und Anzeigen spielen persönliche Empfehlungen, Online-Anzeigen und lokale Öffentlichkeitsarbeit eine wichtige Rolle für die Sichtbarkeit der Angebote.
Direktvermarktung schafft dabei mehr als eine Einkaufsmöglichkeit: Hofläden, Automaten, Selbstbedienungsangebote und regionale Verkaufsstellen können Begegnungsorte sein, regionale Wertschöpfung stärken und die Sichtbarkeit lokaler Produktionsweisen erhöhen. Angebote wie Hoffeste, Stallführungen oder gastronomische Ergänzungen verbinden den Einkauf mit einem Erlebnis und fördern die Bindung zwischen Erzeugern und Kundschaft, beschreibt die Masterarbeit.
Die räumliche Analyse der Masterarbeit macht deutlich, dass Direktvermarktung besonders dort relevant ist, wo klassische Versorgungsangebote weiter entfernt liegen oder für Menschen mit eingeschränkter Mobilität schwer erreichbar sind. Sie leistet damit einen ergänzenden Beitrag zu einer vielfältigen Nahversorgung im Landkreis Ansbach.
„Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie wichtig es ist, unsere vielfältigen Nahversorgerstrukturen zu stärken – von Direktvermarktern über Bäckereien und Metzgereien bis hin zu Dorfläden und kleinen Geschäften“, so Regionalmanagerin Andrea Denzinger, „sie sichern nicht nur den Zugang zu Lebensmitteln, sondern prägen auch die Lebensqualität und den Zusammenhalt in unseren Kommunen. Deshalb schafft das Regionalmanagement unter dem Motto „Einfach näher dran“ mit Informationsmaterialien wie etwa der neuen Nahversorgerkarte mit rund 280 Adressen konkrete Angebote, um diese Betriebe sichtbar zu machen. Bei Veranstaltungen wie bei dem Grüne-Couch-Gespräch „Unsere Nahversorger von morgen – mutig, regional, unverzichtbar“ am 22. September 2026 in Feuchtwangen können Höfe und Betriebe entdeckt und die Menschen dahinter kennengelernt werden, wenn sie ihre Geschichten aus Landwirtschaft und Handwerk erzählen.“