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Leben in Zeiten von Corona - Bericht von Verena Großhauser


Das Leben und Arbeiten in einer Senioreneinrichtung hat sich seit Corona massiv verändert. Dass wir uns einmal sorgen müssen, ob notwendige Schutzausrüstung in ausreichender Anzahl vorhanden ist oder, dass uns unsere Senioren unter den Händen wegsterben könnten, kam uns vor ein paar Wochen noch surreal vor. Jetzt bestimmen gerade diese Sorgen unser tägliches Handeln.

„Leben in Zeiten von Corona“ stellt alle Mitarbeiter in den Seniorenheimen jeden Tag vor neue Herausforderungen, welche gemeinsam bezwungen und gemeistert werden müssen. Besuche wurden frühzeitig zeitlich eingeschränkt und begrenzt und externe Dienstleister nur auf das Notwendigste beschränkt. Angehörige mussten informiert werden und nicht selten stießen wir auf Unverständnis und kritische Meinungen in der Umsetzung dieser noch nie dagewesenen Maßnahmen. Ein Seniorenheim soll doch eine Art Heimat sein, eine häusliche Wohngemeinschaft ohne Grenzen und verschlossene Türen. So verging bis heute kein Tag, an welchem keine Neuerungen umgesetzt werden mussten. Aktuell besteht ein Betretungsverbot für die meisten externen Personen. Eine der wenigen Ausnahmen für diese Regelung stellt der Beistand in der Sterbephase dar. Regelmäßig durchgeführte Hausarztvisiten sollen auf anderen Kanälen wie z.B.
telefonisch, via Skype oder Videoberatung, erfolgen. Hausärzte sollen nur im Notfall die Einrichtungen betreten. Wieder einmal mehr sind hier die Pflegekräfte gefordert. Sichere und zielgenaue Bewohnerbeobachtung und präzise Interpretation der Symptome sind gerade jetzt von unschätzbarem Wert und Notwendigkeit.

Ich konnte in meiner Einrichtung eine ganz besondere Entwicklung spüren. Es formte sich ein ganz außergewöhnlicher Teamgeist. Man spürt ganz genau, dass alle Mitarbeiter, egal aus welchem Bereich oder in welcher Funktion, das gleiche Ziel verfolgen: Das Schiff durch die Krise steuern, mit den Bewohnern als VIP-Passagiere an Bord. Es herrscht keine Weltuntergangsstimmung, großer Respekt gegenüber diesem Virus ist jedoch ununterbrochen mit im Gepäck. Mit viel Phantasie und Kreativität wird nach Möglichkeiten und neuen Ideen gesucht, die Bewohner sinnvoll und nach deren Bedürfnissen zu beschäftigen. Gerade bei dementen Bewohnern ist dies nicht immer einfach. Die vertraute Pflegekraft kann aufgrund des Mundschutzes nicht mehr erkannt werden, Mimik ist nicht mehr deutbar, gewohnte Strukturen sind aufgrund notwendiger Umgestaltung nicht mehr vorhanden, enge Angehörige können nicht kommen. Gerade für diese Bewohner ist die aktuelle Situation schwer begreifbar; verständlich - können wir es doch selber nur schwer realisieren. Pflegekräfte arbeiten unter erschwerten Bedingungen und geben alles, was ihnen möglich ist. Mich persönlich stellt diese Zeit jeden Tag vor neue, noch nie notwendig gewesene Entscheidungen. Im Folgenden dazu ein paar Beispiele: Es müssen Zimmer für notwendige Quarantänemaßnahmen geschaffen werden und die Infra- und Versorgungsstruktur des Hauses muss den verschärften Hygieneanforderungen gerecht werden. Die Mitarbeiter müssen geschult und für den ressourcenorientierten Umgang mit der Schutzausrüstung eingewiesen werden und das Belegungsmanagement muss sehr kritisch und unter strengen Auflagen umgesetzt werden. Behördliche Vorgaben müssen tagesaktuell umgesetzt und Angehörige darüber informiert werden.

„Das Leben im Seniorenheim in Zeiten von Corona“ – das „WIR“ steht über dem ICH. Ein Team ist dem Einzelnen immer überlegen. Dass unser größter Feind ein hochaggressives Virus sein wird, war uns Anfang des Jahres noch nicht bewusst. Den Pflegekräften wird aktuell mehr Respekt und Wertschätzung entgegengebracht. Ich persönlich würde mir sehr wünschen, dass diese Wertschätzung auch nach dem Umschiffen dieser Krise weiterhin bestehen bleibt und vielleicht die ein oder andere Situation in einem Pflegeheim individuell interpretiert und bewertet wird. Jetzt gilt es durchzuhalten und zu hoffen, dass sich die aktuelle Lage bald entspannt und eingeleitete Maßnahmen greifen. Ich mache jeden Abend einen Haken im Kalender, symbolisch dafür, dass wieder ein Tag in dieser Zeit überstanden ist. Aber die Angst in uns bleibt. Die Angst, die uns anvertrauten Mitmenschen nicht ausreichend schützen undbewahren zu können.

Verena Großhauser
stv. Einrichtungsleitung des Senioren- und Pflegeheims Wassertrüdingen des Landkreises Ansbach

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