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Am 8. September ist Welttag der Alphabetisierung


„Kannst du nicht lesen?“ - dieser oder andere Sprüche gehen lapidar über die Lippen, zumindest dann, wenn man nicht betroffen ist. Für Analphabeten selbst bzw. deren Freunde und Familien geht dieser Satz durch Mark und Bein. Der 8. September ist der Welttag der Alphabetisierung und soll auf dieses Problem auch im Landkreis Ansbach aufmerksam machen.

Der Landkreis Ansbach plant in Kooperation mit der Volkshochschule und dem Mehrgenerationenhaus Weidenbach Alphabetisierungskurse. Bei Bedarf können sich Betroffene bzw. deren Freunde und Angehörige an die Volkshochschule oder das Mehrgenerationenhaus wenden.

Bei mindestens sechs Teilnehmerinnen oder Teilnehmern pro Region kann ein Kurs organisiert werden. „Wir haben die Problematik schon seit längerem im Blick und stehen in den Startlöchern“, so Ulrike Schwarz die Koordinatorin der Alphakurse der Volkshochschule des Landkreises. Es gibt verschiedene Möglichkeiten unser Kursangebot an die individuellen Bedürfnisse anzupassen. „So sind auch spezielle Kurse für den Pflegebereich oder ganz allgemeine Grundbildungskurse im Portfolio“, betont Ulrike Schwarz.

Das Mehrgenerationenhaus Weidenbach bietet zudem als niedrigschwelligen Einstieg auch Kochkurse an, bei denen neben dem Kochen auch Lesen und Schreiben auf dem Programm steht. „Es geht dabei auch um den Abbau von Hürden. Der Begriff „Analphabet“ verschreckt häufig, wer gibt schon gerne zu, dass er Schwierigkeiten mit dem geschriebenen Wort hat“, so Antje Michel, die Koordinatorin des MGH Weidenbach. Sich zu einem Kochkurs anzumelden, sei nicht stigmatisierend und der Kurs biete für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen geschützten Raum, in dem Lernen in jedem Alter wieder möglich wird.
„Menschen die seit Jahrzehnten als Analphabeten durch das Leben gehen, haben oft hohes Potenzial. Sie müssen ihre Talente für das Verstecken bzw. Organisieren ihrer Einschränkung verschwenden. Könnten diese Talente anderweitig genutzt werden, ergäben sich oftmals völlig neue Perspektiven“, so Sascha Wächtler, Bildungskoordinator für Neuzugewanderte im Landkreis Ansbach.

Die Leo Level One Studie stellte fest, dass bundesweit rund vier Prozent der hier lebenden Menschen zwischen 18 und 64 Jahren Analphabeten seien. Für den Landkreis Ansbach fallen somit rund 4.600 Menschen in diese Kategorie. Analphabetismus bedeutet, dass die Satzebene unterschritten wird, wie Fachleute es formulieren. Wörter werden aus einzelnen Buchstaben zusammengesetzt. Sätze können so kaum erfasst werden.

Funktioneller Analphabetismus ist noch stärker verbreitet und bedeutet statistisch, dass rund 14 % der Menschen in Deutschland die Textebene unterschreiten. Im Landkreis Ansbach heißt das, rund 16.000 Personen seien von diesem Problem betroffen. Das bedeutet, dass Sätze verstanden werden, nicht jedoch einfache Texte. Diese Einschränkung macht das Leben für funktionelle Analphabeten in vielerlei Hinsicht schwer, denn bereits das Lesen von einfachen Arbeitsanweisungen wird nahezu unmöglich.

Besonders betroffen ist die Gruppe der Zugewanderten. Statistisch verfügen rund 41,8 % der totalen und funktionalen Analphabeten, also statistisch rund 8.500 Menschen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren im Landkreis Ansbach, über eine andere Erstsprache. Viele sind bereits seit Jahrzehnten in Deutschland, arbeiten und fallen nicht weiter auf. Die Kurse sollen unabhängig von Herkunft und Nationalität besetzt werden. Das gemeinsame Ziel sei es Schriftsprache zu lernen, um so neue Perspektiven zu erkennen.

Das „mitwissende Umfeld“ ist ein wichtiger Partner bei der Kursplanung, denn nur durch Kenntnis der Problemstellung können auch passende Angebote geschaffen werden. Die „verunsicherte Mitwisserschaft hat großes Potenzial“, so Ulrike Schwarz und Antje Michel. Wenn man unsicher ist, wie man reagieren soll, kann man sich entweder an die Volkshochschule des Landkreises Ansbach (0981 / 468-6113), das Mehrgenerationenhaus Weidenbach (09826 / 658560) oder das Alpha-Telefon (0800 / 53 33 44 55) wenden. Anfragen werden vertraulich behandelt.

Landrat
Dr. Jürgen
Ludwig
Foto Landrat Dr. Jürgen Ludwig
http://www.landkreis-ansbach.de/layout/lk_ansbach/elkat_10-17/

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