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Klima, Energie & Umwelt


Der Landkreis Ansbach beschäftigt sich seit vielen Jahren mit erneuerbaren Energien. Aufbauend auf den landwirtschaftlich-handwerklichen Wurzeln der Region sind innovative Unternehmen entstanden, deren Produkte weit über den Landkreis Ansbach hinaus im Einsatz sind. Besondere Bedeutung für die Entwicklung der erneuerbaren Energien besitzen seit vielen Jahrzehnten die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf und die Einrichtungen der landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf mit der Landmaschinenschule, die im Besitz des Bezirks Mittelfranken sind. Die langjährigen Erfahrungen
im Landkreis Ansbach, der Bildungsstandort Triesdorf sowie die Findigkeit heimischer Unternehmer führten zu einer Vorreiterrolle in verschiedenen Bereichen der erneuerbaren Energien. 

Biomasse zur Wärmenutzung

Der Waldreichtum im Landkreis Ansbach sowie die bäuerlichen Strukturen des Waldbesitzes haben die Anwendung von Hackschnitzelheizanlagen im Landkreis Ansbach begünstigt. Die erste größere Anlage entstand bereits in den 90er Jahren im Markt Dietenhofen zur Beheizung von Schule, Hallenbad, Kindergarten sowie weiteren Gebäuden. Die große Zahl von inzwischen errichteten Biomasseheizwerken und Hackschnitzelheizungen hat dazu geführt, dass ein erheblicher Anteil des vorher nicht wirtschaftlich verwertbaren Schwachholzes in derartigen Anlagen nutzbringend und CO2-schonend verwertet werden kann. Bereits im Jahre 1996 wurde in Triesdorf die erste Kurzumtriebsplantage für schnell wachsende Hölzer angelegt, um langfristig die Verfügbarkeit von Heizmaterial für Biomasseheizungen sicherzustellen. 2002 wurden im Landkreis erste Studien erstellt, welchen energetischen Wert Rest- und Abfallprodukte aus der Landbewirtschaftung für die Wärmeversorgung der Region haben.

Photovoltaik

Die überdurchschnittlich vorhandene Sonneneinstrahlung, verbunden mit einer geringen Nebelhäufigkeit, sowie die frühzeitige gezielte Schulung von Handwerkern zum Bau von Anlagen an der Landmaschinenschule Triesdorf, haben die Anwendung der Solarstromerzeugung im Landkreis Ansbach begünstigt. Über 9.400 Photovoltaikanlagen auf Dächern in allen 58 Städten und Gemeinden des Landkreises sowie mehrere große Freilandphotovoltaikanlagen erzeugen über 218.000 KW (Peak). Damit steht die Stromproduktion mit der Sonne im Landkreis bei den erneuerbaren
Energien an zweiter Stelle.

Solarthermie

Die Solarthermie findet ebenfalls günstige Voraussetzungen im Landkreis Ansbach vor. Eine Vielzahl von ansässigen Fachfirmen sorgen auf den Dächern für moderne Solarthermieanlagen zur Warmwasserversorgung mit zunehmender Heizungsunterstützung. Positive Beispiele vieler Bürger wirken sich dauerhaft auf den Zubau aus.

Biogas

Der Bau und Betrieb einer Musteranlage an den Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf, die leistungsfähige bäuerliche Landwirtschaft sowie die praktische Beratung der Hochschule und der Landmaschinenschule in Triesdorf ergaben schon sehr früh Erfahrungen mit Biogasanlagen im Landkreis Ansbach. Verbunden mit einer vergleichsweise guten Flächenverfügbarkeit entstanden weit über 180 Biogasanlagen. Darunter sind auch 4 leistungsfähige Anlagen, die nahezu ausschließlich Abfallprodukte und Biomüll vergären. Der Landkreis Ansbach ist der Landkreis in Bayern mit den meisten Biogasanlagen. Für einen weiteren Ausbau von Biogasanlagen wird die Nutzung von Reststoffen und Gülle als Schwerpunkt der Energiezufuhr verstärkt favorisiert. In Triesdorf wird auch intensiv an der Produktion und Verwendung neuer Pflanzen für den Energieeinsatz in Biogasanlagen geforscht. Zwischenzeitlich haben im Landkreis Ansbach nahezu alle Biogasanlagen neben der Stromproduktion ein Wärmenutzungskonzept. Der Landkreis Ansbach weist hier eine ganze Reihe von erfolgreichen Beispielen, die teilweise mit starker Selbsthilfe der Dorfgemeinschaft erstellt wurden, auf. Zunehmend wird neben der Heizenergie auch Prozessenergie für Wirtschaftsbetriebe kostengünstig zur Verfügung gestellt. Auch haben sich mehrere Firmen, die als technische Spezialisten in der Biogas- und Wärmetauschertechnik tätig sind, im Landkreis Ansbach entwickelt. Der Landkreis Ansbach beheimatet mit Triesdorf auch den ersten energieautarken Hochschulstandort in Deutschland, der Strom und Wärme aus einer Biogasanlage und einer Biomasseheizung bezieht.

Wasserkraft

Die Anwendung von Wasserkraft stößt im Landkreis Ansbach an natürliche Grenzen. Die Niederschlagsarmut und das geringe Gefälle vieler Wasserläufe begrenzen den Einsatz von Wasserkraft auf kleinere Anlagen. Insgesamt waren 2011 im Landkreis Ansbach 37 Wasserkraftanlagen installiert. Ein maßvoller Ausbau und eine Effizienzsteigerung erscheint hier noch möglich. Fragen des Naturschutzes und der Fischereiwirtschaft machen diesen Ausbau jedoch zu einer nicht leichten Aufgabe. In Westmittelfranken gibt es trotz der vergleichsweise geringen Bedeutung von Wasserkraft namhafte Firmen, die sich mit der Technik der
Wasserkraft beschäftigen und sowohl Wissen wie auch Technik weltweit vermarkten.

Windkraft
Mehr als 25 Windkraftanlagen konzentrieren sich im Landkreis Ansbach im Bereich der windstärksten Standorte. Frühzeitige praktische Erfahrungen führten auch zur Konzipierung von Anlagen, die an windschwächeren Standorten wirtschaftlich betrieben werden können. Die Diskussion um geeignete Standorte für weitere Windkraftanlagen wird die Kommunalpolitik in den nächsten Jahren intensiv beschäftigen.
Wirtschaftliche Bedeutung

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die regionale Wertschöpfung, die sich aus dem Bereich der erneuerbaren Energien ergeben. Der Landkreis Ansbach hat bereits im Jahr 2007 mit Beschluss des Kreistages ein Klimaschutz und Energiekonzept in Auftrag gegeben. In der Fortschreibung 2011 wurde festgestellt, dass bereits heute über 70 Prozent (!) des verbrauchten Stroms im Landkreis Ansbach aus erneuerbaren Energien entstammen, die im Landkreis produziert werden. Bürger und Unternehmen des Landkreises haben in diesem Bereich bislang über 950 Mio. Euro in Anlagen zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien investiert. Ein Wert mit dem der Landkreis Ansbach zu den Spitzenreitern gehört. Neben den Investitionen in die Anlagen, die häufig durch regionale Handwerksbetriebe errichtet werden, fließen jedes Jahr über 160 Mio. Euro an Vergütungen für die Stromproduktion aus dem EEG-Gesetz in den Landkreis. Die frühzeitige Beschäftigung mit erneuerbaren Energien hat eine große Zahl von Firmen in dieser Branche in ganz Westmittelfranken entstehen lassen, die inzwischen teilweise weltweit tätig sind. Diese Unternehmen haben dabei in den letzten Jahren mehrere hundert Arbeitsplätze geschaffen.

Von großer Bedeutung ist die Einbindung der Bürger vor Ort, der örtlich ansässigen Kreditinstitute und der mittelständischen Firmen. Nur so kann eine ausgewogene Struktur beim Ausbau der erneuerbaren Energien erreicht werden. Der Bereich Energieeinsparung wird von den Städten, Märkten und Gemeinden sowie dem Landkreis sehr ernst genommen. Bei der Sanierung und Modernisierung von öffentlichen Gebäuden wird auf die Einhaltung
hoher Energiestandards, die über den gesetzlichen Vorgaben liegen, Wert gelegt. So wurde das gesamte Verwaltungsgebäude des Landkreises Ansbach inzwischen auf einen hohen energetischen Standard gebracht. Die Dreifachturnhalle in Herrieden, gebaut und entwickelt als Energie-Plus-Halle, hat sich bewährt und ist weit über unsere Grenzen hinaus ein Vorbild. Auch die meisten Schulen des Landkreises wurden bereits energetisch modernisiert. Auch die Bürger des Landkreises Ansbach haben großes Interesse an Energieeinsparmaßnahmen und sind sehr dankbar für entsprechende Beratung auch zu den aktuellen Fördermaßnahmen.

Der Landkreis stellt hier in Zusammenarbeit mit anderen wichtigen Trägern, wie den Städten und Gemeinden, der Handwerkskammer, der Bayerischen BauAkademie in Feuchtwangen usw. die entsprechenden Informationen zur Verfügung. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Landkreis Ansbach sich zu Recht als Kompetenzregion für den Bereich Erneuerbare Energien bezeichnet. Für die Zukunft besteht weiterhin starker Forschungsbedarf bei der Erzeugung und Speicherung von Energie. Ein anwendungsorientiertes Forschungs- und Entwicklungszentrum im Landkreis Ansbach, angebunden an die vorhandenen Einrichtungen in Triesdorf, ist deshalb der Wunsch der politisch Verantwortlichen und der mittelständischen Wirtschaft im Landkreis Ansbach.

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